Erstes Foto der Gründungsmitglieder des Elternvereins 1993:

Von links: Marcel Jappert, Karin Baeriswyl, Katharina Stockmann-Schweizer, Silvia Walther, Jeanette Hollenweger, Gaby Egli, Agnes Waldis, Margrit Hollenweger, Sonja Schweizer, Liliane Lüthi
Wir baten ein Gründungsmitglied ein paar Worte über die Zeit damals zu verfassen. Vielen lieben Dank Karin für den Bericht:
Liebe Familien
Stellvertretend für alle Gründerinnen und Gründer des EVU und für schätzungsweise 40 – 50 ehemalige und heutige Vorstandsmitglieder, die alle eine hervorragende Arbeit für unsere Familien im Dorf geleistet haben und immer noch leisten, erzähle ich ein bisschen aus dem Nähkästchen.
Tatsächlich war die Gründung des Elternvereins schwierig. Der sehr bürgerlich geprägte Gemeinderat, die konservative Schulpflege und den dem an nichts nachstehenden Parteien bildeten eine Mauer der Gegenwehr. Sie waren einheitlich der Meinung, dass es keinen neuen Verein brauche, und wenn, dann vielleicht eher einen Frauenverein….
Brauchten wir Raum für unsere Vorstandssitzungen, flüsterte man sich hinter vorgehaltener Hand zu, wir hätten wieder mal Kaffeekränzchen.
Fragten wir die Gemeinde um finanzielle Unterstützung für ein erstes grosses Familienfest, bekamen wir 250.- für ein Kinderkarrussel mit der Auflage, dass es dann aber gratis für die Kids sein müsse. Alles, was vom Elternverein aufgegriffen und angegangen wurde, wurde von der politischen Seite als persönlicher Angriff betrachtet.
Zum Glück gab es damals viel Hilfe und Unterstützung von kantonalen Stellen. Viele Elternvereine und Organisationen wurden damals ins Leben gerufen, der Kanton hatte die Dringlichkeit von familienunterstützenden Angeboten erkannt und auf gute Projekteingaben auch gutes Geld und wertvolle Unterstützung gesprochen.
Es gab einige Vorstösse in Unterengstringen, die zur Gründungszeit erfolgten, aber auch all die Jahre später wurde von engagierten Mitgliedern mit sehr viel Effort erforderliche Umsetzungen und Neuerungen für Familien mit Kindern erfolgreich eingefordert und umgesetzt
Am einschneidendsten für mich war die Einführung der Blockzeiten. Damals hatten unsere Primarschulkinder noch entweder von 08:00 – 10:00 oder von 10:00 – 12:00 Uhr Schule. Wollte man, dass die Geschwister zur gleichen Zeit in die Schule gingen, wurde dieser Wunsch entgegengenommen, konnten aber oft nicht erfüllt werden. So kam es, dass das erste Kind um 10:00 nachhause kam, während das Geschwisterkind erst dann loslief.
Auf unseren Einwand hin, dass wir Mütter uns kaum vor die Tür bewegen könnten, meinte man öffentlich im Gemeindesaal, das könne ja auch schön sein für die Kinder, wenn sie die Mutter für sich allein hätten.
Mit Ach und Krach wurde die Einführung der Blockzeiten durchgebracht, das hiess, jedes Kind war daraufhin sicher von 09:00 – 11:00 in der Schule. Arbeiten konnten wir Mütter deshalb immer noch nicht, aber wenigstens mal zwei Stunden zum Einkaufen gehen oder wichtige Botengänge machen.
Eine Tagesmutter kostete damals – so viel ich mich erinnere – 45.- CHF pro Tag inkl. Essen. So viel war eine Tagesbetreuung wert. So viel wert waren auch die Mütter, die daheimblieben.
Der Spielplatz hinter der Schule war komplett verlottert und lag mit Brombeeren überwuchert im Dornröschenschlaf. Der Elternverein hat mit viel Fronarbeit alles gerodet und in Ordnung gebracht. Daraufhin hat die Gemeinde, nach zwei Jahren Kampf, Spielgeräte gekauft. Noch jahrelang musste der Spielplatz vom Elternverein gepflegt werden.
Heute, das ist meine Meinung, müsste dringend ein zweiter öffentlicher Spielplatz gebaut werden, da der jetzige ja mehr oder weniger von den Kindern der schulischen Betreuung besetzt ist, was es wiederum den kleinen Kindern schwierig macht, überhaupt mal an die Geräte zu kommen. Die Zeit steht nicht still!
Auch der Mittagstisch wurde vom Elternverein eingeführt. Die Schulpflege erachtete einen Mittagstisch für nicht so wichtig, stellten aber mal provisorisch die ehemalige Schulküche zur Verfügung. Für Gotteslohn kauften die Frauen ein und kochten immer frisch für die Kinder. Sie hielten mit der Kochkelle Ordnung und waren den Kindern liebevolle Betreuerinnen. Bald übernahm die Schule das Projekt, das sehr erfolgreich lief. Nach 10 Jahren wurde das Selbstkochen durch eingekauftes Essen von diversen Restaurants ersetzt.
Und so gab es in all den Jahren immer wieder erfolgreiche Vorstösse: Verkehrsberuhigungen, Fussgängerstreifen, Einsitz in die Schulpflege, Raum für Spielgruppen, Sandkasten usw..
Aber, dass bis heute keine öffentliche Feuerstelle mehr genehmigt wurde (früher gab es eine bei der Dicken Berta), ist für mich ein kleines, aber klares Indiz dafür, dass noch längst nicht alles in Ordnung ist und dass die Einstellung der Behörden, «lieber kei Rauch, kei Dräck und kei Lärm» immer noch latent vorhanden ist.
Es ist unglaublich, wie viele Veranstaltungen, auch mit dem «Ladies Night Out», in den letzten 30 Jahren durchgeführt wurden, darauf sind wir Gründungsmitglieder mega stolz! Das Dorf lebt allein von den Netzwerken, die man als Familie mit Kindern und mit den geeigneten Ressourcen schnell erschaffen kann. Die Ressourcen schafft der Elternverein mit Vorstössen an die Gemeinde und mit der Durchführung von Attraktionen und Veranstaltungen. Die eigene Vernetzung, das Mitmachen, Mitgestalten und Mitreden, sind jedem selbst überlassen, aber es ist auf jeden Fall eine sehr schöne Bereicherung, wenn man gerne ein bisschen Heimat für sich und seine Familie finden möchte.
Und deshalb zum Schluss: Die Vorstandsarbeit ist anstrengend, aber sehr befriedigend. Alle, die im Februar zum Beispiel bei der Fasnacht mitgeholfen haben, wissen Bescheid. Än Säuchrampf! Und das geschieht alles für die Familien und die Kinder, für jetzt und für die Zukunft in unserer Gemeinde!
Deshalb, schön, wenn ihr euch engagiert und schön, wenn ihr viele Familien ins Boot holt, je mehr mithelfen, je schneller ist man jeweils fertig. Und die Arbeit geht nicht aus!
Karin Baeriswyl
für den Gründungsvorstand des Elternvereins




